FAQ Soziale Netzwerke

Wie sicher sind Facebook & Co?

Die folgenden Fragen basieren auf einem E-Mail-Interview, dass wir für einen Wettbewerb zum Thema „Visitenkarte im Netz“ gegeben haben. Bei der Beantwortung ist uns aufgefallen, dass es sich ausnahmslos um Fragen handelt, die für unsere Besucher ebenfalls von Interesse sein könnten. Deshalb haben wir uns zu einer leicht modifizierten Veröffentlichung in Form eines FAQ Soziale Netzwerke entschieden.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Wer kontrolliert Soziale Netzwerke?
  2. Können Informationen von Profil-Seiten gelesen werden?
  3. Was sollte man nur auf einer Profil-Seite von sich preisgeben?
  4. Gibt es sichere, empfehlenswerte Soziale Netzwerke?
  5. Welche Unterschiede gibt es zwischen Sozialen Netzwerken wie Facebook, StudiVZ oder Xing?
  6. Worin liegt der Nutzen von Sozialen Netzwerken?
  7. Kommt es zu Realitätsverlust in Sozialen Netzwerken?
  8. Leidet die reale Kommunikation durch Soziale Netzwerke?
  9. Was bewirken die Generations-/Altersunterschiede in Sozialen Netzwerken?
  10. Wie lange werden die Benutzerdaten von Sozialen Netzwerken gespeichert?
  11. Sind die persönlichen Seiten Werbung oder Verhängnis für mich?
  12. Baut sich durch Soziale Netzwerke eine Scheinwelt auf?
  13. Wie hoch ist das Suchtpotenzial von Sozialen Netzwerken?
  14. Sind Inhalte in Sozialen Netzwerken wirklich geschützt?

Wer kontrolliert Soziale Netzwerke?

Es gibt keine wirklich zuständige Organisation. Es gibt allerdings ein paar Stellen, die sich die Netzwerke sehr genau ansehen, das sind zum einen das Verbraucherschutzministerium (vielleicht habt ihr mitbekommen, dass unsere Verbraucherministerin, Ilse Aigner, sich besonders mit Facebook auseinandergesetzt hat) und zum anderen die Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern. In der letzten Zeit war da vor allem Thilo Weichert, ein Datenschützer aus Schleswig-Holstein, der sich besonders gegen den Facebook-Like-Button einsetzt. Daneben gibt es dann noch die Verbraucherzentralen und übrigens auch die Stiftung Warentest, die sich Soziale Netzwerke gerne auch mal genauer ansehen. Eins ist vielleicht noch wichtig zu erwähnen: Soziale Netzwerke haben Hausrecht. Das heißt, abgesehen von bestehenden Gesetzen bezüglich AGBs und Datenschutz sind sie ziemlich frei, mit Userdaten zu tun und zu lassen, wonach ihnen ist.

Können Informationen von Profil-Seiten gelesen werden?

Ja und nein. Generell sind natürlich die Privatsphäre-Einstellungen ausschlaggebend dafür, was auf den Profilseiten sichtbar ist. Da die bei zahlreichen Netzwerken, z.B, Facebook sehr offen voreingestellt sind, ist es gerade für ältere – aber auch für sehr sorglose oder generell wenig technik-affine – Menschen aber so, dass sie sich gar nicht bewusst darüber sind, wie viele Daten offen sichtbar sind. Dazu kommen häufige Änderungen in den Einstellungen, über die man als User nicht ausreichend informiert wird. Übrigens sind selbst komplett abgeschottete Profile für Mitarbeiter von Facebook selbst einsehbar. Außerdem – und das ist vielen nicht bewusst – verdienen Facebook und viele andere Netzwerke damit Geld, dass eure Daten verkauft werden. Das findet meist allerdings auf einer wenig persönlichen Ebene statt, soll heißen, die meisten Firmen interessiert es nicht, ob eine bestimmte Person ihre Werbung sieht, solange das Produkt aufgrund deiner Einstellungen (z.B. Musikgeschmack, Likes, etc) dich zu einer relevanten Zielgruppe macht. Zu guter Letzt bleiben dann noch die Anwendungen – zum Beispiel FarmVille etc – auch die haben gewissen Zugriff auf deine Daten.

Was sollte man nur auf einer Profil-Seite von sich preisgeben?

Verzichten sollte man auf jeden Fall auf Anschrift, Handynummer (bzw. Telefonnummer generell) – selbst Wohnort und Name können in Kombination mit einem Foto leicht zum Identitätsdiebstahl missbraucht werden. Natürlich ist das ein Zwiespalt, denn einerseits will man von Freunden gefunden werden, andererseits muss man etwas vorsichtig sein. Mittlerweile gibt es allerdings eine (aus meiner Sicht) erfreuliche Entwicklung zu Pseudonymen. Die sind allerdings eigentlich nach Facebook-Regularien verboten, zum Glück macht Facebook (im Gegensatz zu Google+) mit der Klarnamen-Pflicht aber nicht Ernst. Ganz generell ist es sinnvoll, keine Fotos zu posten, die im Zweifel kompromittierend sind. Als Faustregel: Überleg dir, ob du die Fotos auch einem Lehrer zeigen würdest. Falls nicht, solltest du zumindest gut auf die Freigabeeinstellungen achten.

Gibt es sichere, empfehlenswerte Soziale Netzwerke?

Nein. Jedes Netzwerk hat so seine Nachteile. Es gibt im Moment ein sehr spannendes Experiment namens Diaspora, das ist allerdings noch nicht öffentlich, und wurde auch noch nicht ausreichend getestet. In Deutschland ist – den Datenschutz betreffend – die Holtzbrinck-Gruppe mit den VZ-Netzwerken vergleichsweise gut aufgestellt. Das ist allerdings relativ zu sehen, Stiftung Warentest bewertet sie auch nur mit „ausreichend“. Es ist nun mal so, das eure privaten Daten genau das sind, womit die Firmen ihr Geld verdienen. Deshalb ist ihr Schutz nur zweitrangig.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Sozialen Netzwerken wie Facebook, StudiVZ oder Xing?

Es gibt mehr Business-orientierte und mehr Beziehungs-orientierte Netzwerke – Beispiele für Business sind Xing und LinkedIn, Beziehung (Freunde, Familie) sind eher Facebook, die VZ-Netzwerke und WKW. Daneben gibt es zahlreiche Communities für spezielle Interessen – z.B. flickr, oder auch Google+ (im Moment primär Tech und Foto). Generell gilt: Wenn die Mitgliedschaft etwas kostet, sind die Daten etwas sicherer. Das liegt daran, dass die Unternehmen weniger darauf angewiesen sind, die Daten zu verkaufen, weil sie andere Einnahmen haben.

Worin liegt der Nutzen von Sozialen Netzwerken?

Es gibt zum einen eine soziale Komponente. Wer nicht in einem Netzwerk aktiv ist, katapultiert sich unter Umständen selbst ins Abseits. Das ist auch ganz logisch, je mehr Verabredungen, Parties und Events in sozialen Netzwerken organisiert werden, je mehr Kommunikation generell satt findet, desto mehr grenzen sich diejenigen ab, die nicht aktiv sind. Bei Business-Portalen ist der Nutzen etwas anders, hier präsentieren sich Arbeitnehmer (bis hoch in die Chefetagen) potentiellen Arbeitgebern oder halten geschäftliche Kontakte am Leben. Wobei angemerkt sein sollte: Die Grenzen verschwimmen. Bewerber nutzen mehr Facebook und sind nicht bereit zu wechseln. Business-Netzwerke werden voraussichtlich zu einer Randerscheinung, die Zeit spielt für Allrounder wie Facebook. Zum anderen gibt es einen weiteren Nutzwert. Mit seinen 800 Millionen Mitgliedern produziert Facebook mittlerweile mehr Seitenaufrufe als die Top 100 aller anderen Internetseiten gemeinsam (ausgenommen Google, aber das ist – bei Licht betrachtet – eher ein Wegweiser und kein Ort, an dem sich aufhält). Und da Firmen generell gerne da sind, wo ihre Kunden sind, ist Facebook für sie sehr nützlich – gerade weil sie ihre Zielgruppe sehr genau ansprechen können. Ob der Nutzen die negativen Seiten aufwiegt, muss jeder für sich entscheiden.

Kommt es zu Realitätsverlust in Sozialen Netzwerken?

Ich muss zugeben, hier sind mir keine wissenschaftlichen Daten bekannt. Meine persönliche Meinung: Der Realitätsverlust ist vergleichsweise gering. Was allerdings verloren geht, ist, das Bewusstsein dafür, dass alles, was man bei Facebook eingibt, jede Seite, die man liked, überhaupt jede Seite, die man aufruft, und auf der ein Like-Button eingebettet ist, von Facebook gespeichert wird. Stell dir einfach mal vor, dir würde für den Rest deines Lebens jemand über die Schulter gucken. Dann hast du eine ungefähre Vorstellung davon, was Facebook über dich wissen kann. Ich gebe zu, das hat nicht viel mit Realitätsverlust zu tun ;-) aber kaum jemand macht es sich bewusst, und die kritische Auseinandersetzung nimmt ab, je länger man aktiv ist und je früher man aktiv ist.

Leidet die reale Kommunikation durch Soziale Netzwerke?

Nein. Es gibt Studien, die das Gegenteil belegen. Ohne sie jetzt raussuchen zu wollen, die Quintessenz ist folgende: Jeder Mensch unterhält intensive Beziehungen mit einer bestimmten Anzahl von Personen, zum Beispiel seinen Freunden oder seiner Familie. Die Anzahl ist durch soziale Netzwerke weder gestiegen noch gesunken. Die Kommunikation hat auch nicht nachgelassen, sie hat sich allenfalls ins Netz verlagert.

Was bewirken die Generations-/Altersunterschiede in Sozialen Netzwerken?

Dazu habe ich leider keine Daten. Das einzige, was ich belastbar sagen kann, ist, dass die derzeit am stärksten wachsende Gruppe von Facebook-Usern die ältere Generation (so Ecke 50+) ist. Das sorgt dafür, dass sich Jugendliche anders verhalten, da sie sich von ihren Eltern beobachtet fühlen. Dazu gibt es eine interessante amerikanische Studie, die kürzlich vorgestellt wurde. Die Aussage war kurz zusammengefasst, dass sich auch bei Facebook Subkulturen entwickeln, mit einer eigenen Sprache und bestimmten Erkennungszeichen. Spannend, oder?

Wie lange werden die Benutzerdaten von Sozialen Netzwerken gespeichert?

Da die Daten nicht innerhalb von Deutschland gespeichert werden (bei Facebook), sondern in Irland, gelten nicht die üblichen 6 Monate. Aktuell gibt es Bemühungen, die Daten bei Faceboom anzufragen, da sie nach EU-Recht verpflichtet sind, sie herauszugeben. Diejenigen, die ihre Daten erhalten haben, berichten davon, dass seit der Registrierung gespeichert wurde. Das sind dann übrigens bei 3 Jahren ca. 1.200 Seiten, wenn man einigermaßen aktiv ist. Das nur als Hintergrundinformation zu der Menge der Daten.

Sind die persönlichen Seiten Werbung oder Verhängnis für mich?

Das hängt ein Stück weit von dir ab. Du kannst das Bild, mit dem du im Internet erscheinst, durchaus beeinflussen. Aber dir sollte klar sein, dass alles von jemand anderem beurteilt wirst. Hast du ein Profil mit Partyfotos, wirkt das unter Umständen unprofessionell. Hast du keine Partyfotos, kann das so wirken, als wärst du ein Einzelgänger, was auch negativ sein kann. Deshalb sollte die Maxime eigentlich immer sein, sich einigermaßen natürlich zu geben, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass auch andere sehen können, was man so schreibt.

Baut sich durch Soziale Netzwerke eine Scheinwelt auf?

Nein. Allerdings gibt es die Theorie (die mir sehr schlüssig erscheint), das man sich in sozialen Netzwerken etwas anders verhält. Nicht falsch verstehen: Man entwickelt keine andere Persönlichkeit. Es ist eher so, wie man sich in der Schule anders verhält, als in der Familie und vor Freunden anders als vor Unbekannten. Mal ein Beispiel: Jemand postet einen Link zu einem SPIEGEL-Artikel. Keine Reaktion. Dann postet derselbe einen Link mit einem lustigen Video. Plötzlich gibt es 10 Likes. Was wird derjenige wohl in Zukunft häufiger posten? Das heißt aber nicht, dass ihn die Themen im SPIEGEL-Artikel nicht immer noch interessieren.

Wie hoch ist das Suchtpotenzial von Sozialen Netzwerken?

Enorm hoch. Das zeigen allein schon die Zeiten, die Nutzer auf Facebook verbringen: Durchschnittlich sind das 2 Stunden und 24 Minuten. Pro Tag! Außerdem spielt sich eben vieles, was zuvor offline erledigt wurde nun online in Sozialen Netzwerken ab. Allerdings ist es wissenschaftlich nicht korrekt, von einer Sucht zu sprechen. Der Fernsehkonsum ist (fast) so hoch, auch hier spricht kaum jemand von einer Sucht.

Sind Inhalte in Sozialen Netzwerken wirklich geschützt?

Nein. Zum einen können gerade Mitarbeiter von Facebook die Daten vergleichsweise ungehindert einsehen. Zum anderen muss (!) Facebook als amerikanisches Unternehmen deine Daten auf Anfrage Behörden und Geheimdiensten wie beispielsweise dem CIA mitteilen. Ich weiß, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen nach Verschwörungstheorie oder Agententhriller, aber wenn du mal recherchierst wirst du sehen, dass das absolut Standard ist. Viele amerikanische Unternehmen müssen das, zum Beispiel auch Google. Daneben gibt es noch einen dritten Aspekt. Niemand weiß, wo und wie Facebook deine Daten speichert. Es gibt gute Gründe dafür, dass ein Staat wie Deutschland keine zentralen Datensysteme anlegen darf – bei Facebook ist das anders. Und da niemand bisher überprüfen konnte, wie gut die Sicherheitsmechanismen sind, kann es durchaus sein, dass Hacker unbemerkt in die Systeme eindringen. Das das nicht unrealistisch ist, wurde erst kürzlich gezeigt, als die Userdaten vom PlayStation-Network gestohlen wurden.

Foto: Flickr / daveynin