Facebook: Mundraub für mobiles Marketing

Absender: Bald Fans der Facebook-Seite


Überraschend wenig Aufregung verursachte die Entdeckung von CNET-Redakteur Charles Cooper, dass Facebook-Seiten im Namen ihrer Fans Posts veröffentlichen können. Dabei könnte sich die Funktion – alle moralischen Bedenken mal für einen Moment auf Seite geschoben – als die Lösung für eines der größten Probleme von Facebook erweisen: Endlich Werbung auf mobile Endgeräte zu bringen.

Der Börsengang des Jahrhunderts (Wirtschaftswoche) sollte es werden: Am 18. Mai wagte Facebook sein Debüt auf den internationalen Märkten. Innerhalb von nur einer Woche sank der Aktienkurs dabei vom Ausgabepreis von 38 Dollar auf 33 Dollar – was etwa 14 Milliarden Dollar Aktienkapital entspricht. Einer der Gründe (wenn auch längst nicht der einzige): Vor dem Börsengang informierte Facebook in einem Papier potenzielle Anleger zu noch nicht gelösten Problemen, die ein Gewinnrisiko darstellen könnten. Darunter: Werbung auf mobilen Endgeräten. Denn bisher hat der Netzwerkgigant noch kein Rezept gefunden, mit Werbung die stetig wachsende Zahl mobiler Nutzer zu erreichen. Das könnte sich mittlerweile geändert haben. Denn weitestgehend unbemerkt erlaubt Facebook mittlerweile Fan-Seiten, im Namen der Fans Postings zu tätigen.

Heißt das etwa …? Genau das heißt es. Als Beispiel: Ich selbst bin großer Fan der Fernsehserie Breaking Bad. Um stets über die Charaktere und Entwicklungen der TV-Show immer auf dem Laufenden zu sein, bin ich natürlich Fan der Facebook-Seite. Da am Sonntag die 5. Staffel in den USA Premiere feierte, gab es in der letzten Woche natürlich besonders viele Updates, die mich als Fan erreichten. Mit der neuen Funktion könnte Breaking Bad allerdings nicht nur mich erreichen, sondern über meinen Facebook-Account, in meinem Namen meine Freunde dazu auffordern, sich am Sonntag die Premiere der neuen Staffel anzusehen – in meinem Namen, und im Zweifel ohne, dass ich es jemals erfahren würde (es sei denn, sie rufen mich an, um zu fragen, ob sie Chips mitbringen sollen …).

Mark Zuckerberg hat möglicherweise die Lösung für ein wichtiges Problem gefunden (Foto: Robert Scoble, Creative Commons)

It’s not a bug

Dass dieses Vorgehen keinesfalls im Sinne der Nutzer ist, versteht sich von selbst – was Facebook wie so oft geflissentlich übersieht. Ganz im Gegenteil, in Menlo Park, dem Hauptsitz des Unternehmens spricht man laut CNET von einem Feature:

“To help people find new Pages, events, and other interesting information, people may now see posts from a Page a friend likes,” says the company. “These posts will include the social context from your friends who like the Page and will respect all existing settings.”

Quelle: CNET

Fraglich dabei ist, ob die jeweiligen Facebook-Seiten als eigentlicher Absender kenntlich gemacht werden, bzw. ob die Nachricht überhaupt als “sponsored” zu erkennen ist (schließlich muss Werbung zumindest in Deutschland ja als solche erkennbar sein…) – oder ob Fan-Seiten tatsächlich mit der neuen Funktion ihren Fans Worte in den Mund legen können. Dabei spielt es scheinbar keine Rolle, wie lange der Klick auf “Gefällt mir” bereits zurück liegt.

Die Lösung für Werbung auf mobilen Endgeräten (Foto: Johan Larsson, Creative Commons)

Es gibt kein Entkommen

Interessant ist, dass Facebook damit de facto die bisher einzige Möglichkeit, Nutzer mobiler Engeräte durch Werbung zu erreichen, ausbaut. Denn bereits heute testet das 900 Millionen schwere Netzwerk die Einblendung von “featured posts” im mobilen Bereich. Wenn diese Postings in Zukunft als Absender nicht mehr ein Unternehmen oder eine Organisation haben würden – sondern einen Nutzer, der dem Empfänger bekannt ist, steigt die Authentizität natürlich um ein Vielfaches. Bemerkenswert bei dem ganzen Vorgang ist ein kleines Detail: Die auf diesem Wege geteilten Postings erscheinen selbst dann im Stream der Facebook-Freunde eines Users, wenn Updates dieses Users eigentlich ausgeblendet werden. Lediglich wenn der Nutzer komplett aus der Freundesliste entfernt wird, werden auch die Werbebotschaften nicht mehr empfangen.

Doch kaum jemand gibt freiwillig mühsam gesammelte Facebook-Kontakte wieder her. Damit hat Mark Zuckerberg möglicherweise das Ei des Kolumbus gefunden, um endlich auf dem mobilen Markt werbetechnisch Fuß zu fassen. Es sei denn, die Nutzer wehren sich dagegen, in wandelnde Werbeträger ihrer “Gefällt mir”s zu werden. Wenn sie es denn merken.

Interessante Beiträge:

jr
Auf meinem Zeugnis steht Mediengestalter – Texter, Internet-Enthusiast und Weltenbummler hat wohl keinen Platz mehr gefunden. Ich habe mich sowohl beruflich als auch in meiner Freizeit dem Medienkonsum verschrieben und bin damit bisher ganz gut gefahren. Weitere Steckenpferde sind Politik und gutes Essen :)

Keine Kommentare.

Eine Anwort verfassen.