Google ohne Zensur in China

Google: Keine Zensur mehr in China

Google: Keine Zensur mehr in China


Die Nachricht kam in der Tagesschau gleich nach dem Bericht zum verheerenden Erdbeben in Haiti: Google bricht mit der bisherigen Politik und verkündet, in China keine Zensur mehr zu dulden. Ein Paukenschlag, der längst überfällig gewesen ist. Denn Google muss die angeschlagene Reputation retten und sich aus dem Sog der negativen Berichterstattung befreien.

“Die Welt wäre besser dran, wenn Google mehr Einfluss hätte” – das sagte 2005 Blake Ross, Mitbegründer von Mozilla Firefox in einem Interview des Spiegels. Damals war der sogenannte G-Browser bestenfalls ein vages Gerücht, und ein Google Betriebssystem hielt man eher für einen für einen Witz als für ein ernst gemeintes Projekt.

Googles Vision – erschreckend

Google im Spiegel - kein positiver Bericht

Google im Spiegel - kein positiver Bericht

Mittlerweile hat sich einiges geändert, der Google Browser Chrome hat nun schon Safari überholt und das Google Betriebssystem Chrome OS steht in den Startlöchern.

Aber je besser es für Google zu laufen scheint, desto schlechter kommt es in der Presse weg. Das Topthema des Spiegels von dieser Woche “Google – Der Konzern, der mehr über Sie weiß als Sie selbst“. Der Artikel selbst ist gut recherchiert, sehr nüchtern und dennoch vor allem eins: erschreckend. Und auch die Online-Community wendet sich Schritt für Schritt von dem Giganten ab. Denn das erklärte Ziel des Unternehmens, alle Informationen der Welt zugänglich zu machen wird Tag für Tag realer – und gleichzeitig erschreckender. Die Liste der Pojekte, bei denen Google starken Widerstand zu spüren bekommt ist lang. Vor allem wäre da Google Books – die Absicht alle Bücher der Welt zu scannen kommt besonders bei Verlegern nicht gut an. Aber nicht nur von Verlegern, auch von Autoren und Politikern bekommt Google Gegenwind.

Streetview: In Frankreich längst Realität

Streetview: In Frankreich längst Realität

Mit Streetview hat man einen weiteren Stein ins Rollen gebracht, der einer ohnehin schon angeschlagen Reputation von Google weiter schadet. Möglicherweise auf den Fotos erkannt zu werden ist dabei nur ein Aspekt. Die Allmacht und die Konsequenz, mit der Google sich Informationen einverleibt, schreckt mehr und mehr Leute ab. Wenn man heute mein Haus auf Google sehen kann – vielleicht kann man mir morgen in die Wohnung sehen?

Um die Gemüter zu beruhigen hat Google vor kurzer Zeit das Google Dashboard auf den Markt gebracht – ein Service, der es den Nutzern ermöglicht, zu sehen, welche Daten über sie gespeichert wurden. Ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch als nicht weitreichend genug kritisiert.

Reputation-Desaster durch CEO

Zunichte gemacht werden solche Bemühungen allerdings von Google-Chef Eric Schmidt, der sich vor kurzem zu dieser äußerst unbedachten Äußerung hinreißen ließ:

“Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.”

(“If you have something that you don’t want anyone to know, maybe you shouldn’t be doing it in the first place.”)

Der Aufschrei war verständlicherweise groß – Äußerungen dieser Art kannte man bisher allenfalls aus Agentenfilmen, in den CIA oder NSA ihr tun rechtfertigen wollen. Den Chef der größten Suchmaschine der Welt etwas derartiges sagen zu hören ist mehr als beängstigend.

Die Verbreitung dieser Äußerung zeigt einmal mehr, dass selbst Profis nicht davor gefeit sind, Fehler beim Reputation Management zu begehen.

Blick zurück nach vorn

Vor fünf Jahren sagte der Mozilla-Vater Blake Ross, Google würde die Welt verbessern. Vor kurzer Zeit bekannte Asa Dotzler, langjähriger Entwickler bei Mozilla, dass ihm die Äußerungen Schmidts derartige Sorgen bereiteten, dass er den Firefox-Nutzern den Wechsel der voreingestellten Google-Suche auf Bing empfehlen würde.

“Googles Datenschutzbestimmungen bei der Suche haben mich immer ein wenig beunruhigt. Jetzt, da ich weiß, wie der Google-CEO über den Umgang mit der eigenen Privatsphäre denkt, mache ich mir umso größere Sorgen.”

Quelle: PCWelt.de

Google hat sich in den vergangenen Jahren verändert – und die Sicht auf Google ebenfalls. Aber das Unternehmen scheint bereit zu sein für einen Neustart – einen Neustart, der die alten Tugenden wiederaufgreift. “Don’t be evil” ist das Motto von Google. Es war zu einer leeren Worthülse verkommen. Mit der Entscheidung, unzensiert in China zu arbeiten oder garnicht, gibt Google seinem Motto wieder neuen Sinn.

Die Bedenken gegen Google werden nicht verfliegen. Aber den Kritikern wird der Wind aus den Segeln genommen, und die Anhänger werden in ihrem Glauben bestärkt. Ob nun geschicktes Kalkül dahinter steckt – den zu erwartenden Imagegewinn gegenüber dem möglichen Verlust bei Wegfall des (ohnehin nicht stark erschlossenen) chinesischen Marktes – Google bewegt sich für jedermann sichtbar wieder in die richtige Richtung.

Weiterführende Links:
Google – A new approach to China
Update: China hält an der Zensur fest (Golem.de)

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jr
Auf meinem Zeugnis steht Mediengestalter – Texter, Internet-Enthusiast und Weltenbummler hat wohl keinen Platz mehr gefunden. Ich habe mich sowohl beruflich als auch in meiner Freizeit dem Medienkonsum verschrieben und bin damit bisher ganz gut gefahren. Weitere Steckenpferde sind Politik und gutes Essen :)

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