Facebook vs. StudiVZ – Ein Zwischenstand (Teil 2)

Wie sieht der Zwischenstand im Duell Facebook vs. StudiVZ Ende 2009 aus? Nachdem die rechtlichen Streitigkeiten beigelegt sind, versucht Facebook bei den Nutzern auf StudiVZ aufzuholen. Oder wurde StudiVZ etwa schon überholt? Der Vergleich von Online-Ich.de

Nutzerzahlen

Darauf kommt es bei den Sozialen Netzwerken an: Die Nutzerzahlen. Daher beanspruchen sowohl Facebook als auch StudiVZ gerne etwas mehr Nutzer als sie tatsächlich haben – zumindest wird das vermutet. In diesem Artikel beziehen wir uns daher auf Zahlen, die das AdPlanner-Tool (eine Applikation für Werbetreibende von Google) zur Verfügung stellt. Diese Zahlen sind möglicherweise nicht hundertprozentig präzise, da sie auf Schätzungen von Google beruhen, dafür allerdings auch nicht beeinflusst durch Marketing-Erwägungen der Betreiber von Sozialen Netzwerken.

Nutzerzahlen der Sozialen Netzwerke

Nutzerzahlen der Sozialen Netzwerke


Der Vollständigkeit halber in dieser Statistik mitaufgeführt: Die weiteren deutschen Netzwerke WKW, Lokalisten und Xing. Die Daten der VZ-Gruppe sind zusammengefasst aus StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ.

Eindeutig zu sehen: Noch hat StudiVZ (respektive die VZ-Gruppe) die Nase vorn. Mit einer Gesamtzahl von 14,9 Millionen Usern (Eigenangabe: 15,5 Millionen) im November 2009 liegt es deutlich vor Facebook mit 9,9 Millionen Nutzern. Die Bezeichnung Unique Visitors beschreibt dabei nicht die laut Eigenangabe angemeldeten Nutzer, sonden filtert die tatsächlichen Besucher der jeweiligen Seite nach IP.

Damit ist die VZ-Gruppe Marktführer auf dem deutschen Markt. Kein soziales Netzwerk kommt an die Nutzerzahl der drei Holtzbrinck-Netzwerke heran. Allerdings: Nimmt man die Zahlen der Netzwerke nicht zusammen, sondern wertet StudiVZ, MeinVZ und SchülerVZ jeweils als einzelne Netzwerke ist Facebook das erfolgreichste Soziale Netzwerk in Deutschland, direkt vor Wer-Kennt-Wen.

Überholspur

Bereits im ersten Teil dieses Artikels haben wir gezeigt, dass Facebook bei den Suchanfragen sehr deutlich vor StudiVZ liegt. Die Suchanfragen bei Google gelten als guter Gradmesser für den Erfolg einer bestimmten Internetseite. Das gilt selbst dann, wenn die Adresse der Seite eigentlich bekannt ist und direkt eingegeben werden könnte. So ist zum Beispiel der am vierthäufigsten bei Google gesuchte Begriff in Deutschland 2009 tatsächlich “Google” selbst gewesen. Die Eingabe bei Google ist für viele Nutzer gewohnter als die Eingabe in der Adresszeile.

Suchanfragen seit 2004

Suchanfragen seit 2004

Doch nicht nur die Suchanfragen für den Begriff “Facebook” sind gestiegen. Auch die Zahl der Neuregistrierungen ist bei Facebook in die Höhe geschnellt. Wie Online-Ich.de bereits vor einiger Zeit berichtete, hat Facebook in dem kurzen Zeitraum von März bis Juli in Deutschland eine Steigerung der Nutzerzahlen von über 50 Prozent verzeichnen können.

Diese unglaubliche Steigerung lässt sich zum einen durch massive Medienpräsenz erklären – in diesem Zeitraum griffen viele etablierte Medien das Thema Facebook erstmals auf – die natürlich auch von Facebook selbst forciert wurde. Unter anderem der Rechtsstreit mit StudiVZ wurde in diesem Zeitraum heiß diskutiert und bescherte dem Branchenprimus maximale Aufmerksamkeit.

Aber auch das System von Facebook, externe Entwicklungen zu zu lassen hat viele Nutzer dazu bewegt, Facebook statt StudiVZ zu benutzen. Besonders Spiele wie FarmVille fehlten bis dahin (und im Grunde genommen auch jetzt noch) bei StudiVZ komplett, trafen aber genau den Zeitgeist.

Kein Zweifel, die Runde 2009 ging an Facebook. Aber wie sind die Aussichten für 2010?

Aussichten

StudiVZ befindet sich in einer sehr misslichen Lage. Einerseits möchte man die Nutzer nicht mit zu viel Neuerungen verschrecken – schließlich sind einige darunter, die gerade wegen der im Vergleich zu Facebook sehr einfachen Handhabung StudiVZ vorziehen. Andererseits darf das Netzwerk nicht hinterher hinken und damit noch mehr Boden an Facebook verlieren.

Die Lösung von StudiVZ: Integration neuer Features in das bestehende System – aber möglichst unauffällig und leise, so dass sich keiner gestört fühlt.

Fällt kaum auf: Apps, Röhre und Plauderkasten

Fällt kaum auf: Apps, Röhre und Plauderkasten

Auch wenn es am Rande (“Apps”) versteckt ist: Die Öffnung zu externen Entwicklungen auch bei StudiVZ war ein Meilenstein, der nur unter massivem Druck von Facebook zustande gekommen ist.

Aber Facebook ist das Original – und sammelt mehr und mehr Nutzer. Innerhalb der letzten Monate von Juli bis November sind die Nutzerzahlen in Deutschland von etwa 3,5 Millionen Nutzern auf ca 5,5 Millionen Nutzer (Zahlen jeweils gerundet, Quelle: facebookmarketing.de) gestiegen. Die Grafik verdeutlicht den Trend.

Nutzerzahlen Facebook (Quelle: facebookmarketing.de)

Nutzerzahlen Facebook (Quelle: facebookmarketing.de)

Auch wenn die VZ-Gruppe im Moment mehr Nutzer hat, zeigt die Grafik, dass Facebook immer weiter aufholt. StudiVZ und Wer-Kennt-Wen konnte Facebook schon links liegen lassen – und die VZ-Gruppe verliert immer mehr Vorsprung. Dieser Trend wird sich nach Einschätzung von Online-Ich.de 2010 weiter fortsetzen.

Fazit

Das VZ-Netzwerk befindet sich im Moment scheinbar auf dem absteigenden Ast. Während Facebook weltweit täglich neue Rekorde bricht (erst kürzlich hat das Netzwerk die unglaubliche Zahl von über 350 Millionen Usern erreicht), gehen StudiVZ und Co immer mehr Nutzer verloren.

Aber auch wenn Facebook langfristig gute Chance hat, das gesamte VZ-Netzwerk zu überholen (wenn sich die gegenwärtige Wachstumsrate fortsetzt wahrscheinlich spätens Mitte 2011) sollte man nicht davon ausgehen, dass die VZ-Netzwerke komplett in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Einzelne Features – wie z.B. die Gruppen, die in Facebook anders integriert sind als im StudiVZ – und die starke Bindung durch Gruppenzugehörigkeit (StudiVZ für Studierende, SchüerVZ für Schüler) sorgen dafür, dass die User in den VZ-Netzwerken stark gebunden sind. Unter diesem Gesichtspunkt scheint es nicht unwahrscheinlich, dass sich in Deutschland langfristig zwei Netzwerke etablieren können.

Unsere Einschätzung ist dennoch: 2010 wird das Jahr sein, in dem Facebook mit den VZ-Netzwerken gleichzieht.

Interessante Beiträge:

jr
Auf meinem Zeugnis steht Mediengestalter – Texter, Internet-Enthusiast und Weltenbummler hat wohl keinen Platz mehr gefunden. Ich habe mich sowohl beruflich als auch in meiner Freizeit dem Medienkonsum verschrieben und bin damit bisher ganz gut gefahren. Weitere Steckenpferde sind Politik und gutes Essen :)

2 Antworten zu “Facebook vs. StudiVZ – Ein Zwischenstand (Teil 2)”

  1. Mike

    Sep 25. 2010

    so, nun is 2010 bald vorbei.
    gibts schon ne neue studie, die die akutellen zahlen beleuchtet?
    fb müsste doch inzwischen WEIT vor den vz-netzwerken liegen?!

  2. jr

    admin

    Sep 30. 2010

    Hallo Mike,
    aktuelle Vergleichszahlen aus Deutschland (auf Basis des Google AdPlanner Tools) findest du in unserem Artikel Top 100 Soziale Netzwerke in Deutschland. Facebook hat wenig überraschenderweise die Erwartungen mehr als erfüllt. Allerdings ist dazu zu sagen, dass die Holtzbrinck-Gruppe mit den VZ-Netzwerken immer noch einen besonders hohen Teil der jungen Zielgruppe von 14 bis 21 Jahren erreicht. Eine interessante – wenn auch sicher nicht vollkommen unabhängige – Studie zu dem Thema gibt es im StudiVZ Blog.

Eine Anwort verfassen.