Facebook vs. StudiVZ – Ein Zwischenstand (Teil 1)

Das Duell des Jahres 2009 war (zumindest im deutschen Social Web) der Kampf zwischen Facebook und StudiVZ. Mit rechtlichen Mitteln aber auch mit einem Kampf um die User bekriegten sich das stärkste Soziale Netzwerk in Deutschland und das stärkste Soziale Netzwerk der Welt. Wie ist der Zwischenstand Ende 2009? Online-Ich.de fasst die Entwicklung bis heute zusammen.

Plagiatsvorwurf gegen StudiVZ

Bereits im Juli 2008 zeigte Facebook StudiVZ wegen Missbrauch von geistigem Eigentum beim Bezirksgericht in St. José in Kalifornien an. StudiVZ antwortete mit einer Feststellungsklage. Im November 2009 reagierte Facebook wiederum mit einer Klage vor dem Kölner Landgericht. Die Liste der Vorwürfe ist umfangreich:

StudiVZ habe Aussehen, Funktionsmerkmale sowie Dienste und damit das geistige Eigentum von Facebook kopiert. Zudem soll StudiVZ illegal auf Facebook-Computersysteme Zugriff gehabt und sich Daten, darunter den Facebook-Quellcode, verschafft haben.

Quelle: Heise.de / dpa

Mitte 2009 scheiterte Facebook dann mit seiner Klage vor dem Kölner Landgericht – die Klage wurde abgewiesen.
Der Rechtsstreit in St. José blieb davon selbstverständlich unberührt. Während dieses Verfahren also weiterlief, trafen sich die Verantwortlichen von StudiVZ und Facebook zu privaten Verhandlungen – deren Ergebnis stand im September 2009 fest: Facebook lässt die Vorwürfe gegen StudiVZ fallen – und StudiVZ zahlt dafür eine Abfindung in unbekannter Höhe.

Kein Plagiat, sagt das LG Köln

Kein Plagiat, sagt das LG Köln

Siegeszug und Übernahme

Was Facebook dazu bewegt hat, den Streit beizulegen, ist nicht ganz klar. Fest steht: Es befindet sich auf der Überholspur.

Suchanfragen 2009

Suchanfragen 2009

Die Grafik zeigt die Suchanfragen in Deutschland zu den Begriffen “StudiVZ” (Rote Linie) und “Facebook” (Blaue Linie). Eindeutig zu sehen: Während Anfang 2009 die Konkurrenten noch nahezu gleichauf lagen, konnte Facebook seine Position gegenüber StudiVZ deutlich ausbauen. Besonders deutlich wird diese Entwicklung, wenn man etwas weiter zurück geht, nämlich bis in das Jahr 2006. Mitte 2006 begann StudiVZ seinen “Siegeszug” in Deutschland. Facebook hatte noch keine deutsche Version und war auf dem deutschen Markt weitesgehend unbekannt – in den USA allerdings bereits sehr erfolgreich.
Ob Plagiat oder nicht: Die Idee wurde von den StudiVZ-Gründern aufgegriffen und für den deutschen Markt umgesetzt. “Poken” (stubsen) wurde durch “Gruscheln” ersetzt, die Farben änderten sich von blau zu rot und schon war StudiVZ startklar. Der Erfolg sprach für sich und bereits im Januar 2007 – hier werden die Dimensionen der unteren Grafik deutlich – konnte StudiVZ über eine Million aktive Nutzer für sich verbuchen, und wurde prompt von Holtzbrinck Networks übernommen.
Stolze Kaufsumme: 85 Millionen Euro.

Angeblich hatte der Axel-Springer Verlag in letzter Minute noch 120 Millionen Euro geboten, kam aber zu spät. Für Holtzbrinck war der Kauf auf jeden Fall ein Schnäppchen. Nur anderthalb Jahre später, im Oktober 2008, zahlte Microsoft 240 Millionen Dollar für lediglich 1,6 Prozent der Facebook-Aktien

Suchanfragen ab 2004

Suchanfragen ab 2004

Lesen Sie morgen den zweiten Teil des Zwischenstands im Streit von Facebook und StudiVZ.

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jr
Auf meinem Zeugnis steht Mediengestalter – Texter, Internet-Enthusiast und Weltenbummler hat wohl keinen Platz mehr gefunden. Ich habe mich sowohl beruflich als auch in meiner Freizeit dem Medienkonsum verschrieben und bin damit bisher ganz gut gefahren. Weitere Steckenpferde sind Politik und gutes Essen :)

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