Wie Yasni ganz nach oben kommt

Heute hat die Süddeutsche Zeitung einen interessanten Beitrag veröffentlicht, in dem das Prinzip Yasni etwas näher erläutert wird. In dem Artikel wird auf sachlicher Ebene dargestellt, wie Yasni es schafft, bei einer Namenseingabe bei Google nahezu immer unter den ersten Ergebnissen zu sein.

Um eine Kernaussage des Artikels kurz hervorzuheben:

Wer Frau S. im Netz mit der populärsten Suchmaschine sucht, dem zeigt Google als wichtigsten Treffer sogar eine Internetadresse an, in der der Name von FrauS. enthalten ist. Diese Internetadresse gehört zu dem Internetangebot yasni.de und ist nach folgendem Muster aufgebaut: www.yasni.de/person/nachname/vorname/vorname-nachname.htm

“Indem Webseiten wie yasni.de den Namen von Privatpersonen in ihre Internetadressen aufnehmen, werden diese Seiten sehr leicht gefunden, wenn jemand bei Google nach dem entsprechenden Namen sucht”, sagt Gerrit van Aaken, ein bekannter Webseiten-Programmierer und Blogger. Er sieht diese Technik negativ: “Da steht der Name von Leuten im Netz, die ihn nie reingeschrieben haben. Das riecht nach Datenkrake.”

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Natürlich ist dieses Vorgehen keine Neuheit auf dem Gebiet der Suchmaschinenoptimierung – ganz im Gegenteil, Suchwörter oder Suchwortkombinationen in den Domain-Namen aufzunehmen ist ein beliebtes und bewährtes SEO-Vorgehen. Ansonsten würde ein Domainversteigerer wie SEDO nicht funktionieren. Im Beitrag der Süddeutschen wird auch nicht erwähnt, dass Yasni mit einigen anderen SEO-Techniken arbeitet, um sich bei Google weit oben zu positionieren.

Das Recht am Namen

Wirklich interessant wird der Artikel dann auch erst im zweiten Teil:

Etwas einfacher beschreibt Gerrit van Aaken das Geschäftskonzept der Firma: “Yasni verdient Geld mit den Namen unbeteiligter Menschen”, sagt der Internetexperte. “Hier wird vom Namensrecht des Einzelnen Gebrauch gemacht”, kritisiert auch Rechtsanwalt Udo Vetter, der als bloggender Jurist mit dem Netz vertraut ist.

Natürlich ist dieser Gedanke nicht neu – wer im Internet personenbezogene Daten löschen möchte, sollte immer auch auf das Recht am Namen pochen. Doch es ergibt sich – zumindest theoretisch – auch noch eine weitere Konsequenz, die im Artikel garnicht aufgezeigt wird. Denn Yasni baut sein Geschäft tatsächlich nicht unerheblich darauf auf, vom Namensrecht Unbeteiligter Gebrauch zu machen. Denkbar wäre es also, dass ein Betroffener eine finanzielle Entschädigung verlangt. Ein solcher Fall wäre zumindest – ganz gleich ob die Aussicht auf Erfolg besteht oder nicht – eine sehr interessante Konstellation.

Im weiteren Verlauf des Artikels fordert der Autor eine Abwertung von Personensuchmaschinen bei den Google Ergebnissen, schlägt aber gleichzeit vor “Google aber könnte seinen Nutzern anstelle der Links zu Yasni und ähnlichen Seiten Treffer präsentieren, die wirklich weiterhelfen.” Die Aussage ist berechtigt – und steht eigentlich für die Frage “Wann steigt Google in die Personensuche ein?”. Langfristig ist die Personensuche schließlich ein Markt, den Google sich nicht verschließen sollte.

Fazit: Der Artikel in der Süddeutschen Zeitung ist sehr lesenswert und wirft einige wichtige Fragen auf.

Update: Heute ist ein Artikel bei Heise Online erschienen, in dem die Ankündigung von Google aufgegriffen wurde, bald einen sozialen Suchservice anzubieten.

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jr
Auf meinem Zeugnis steht Mediengestalter – Texter, Internet-Enthusiast und Weltenbummler hat wohl keinen Platz mehr gefunden. Ich habe mich sowohl beruflich als auch in meiner Freizeit dem Medienkonsum verschrieben und bin damit bisher ganz gut gefahren. Weitere Steckenpferde sind Politik und gutes Essen :)

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